TV-L: Neue Tarifmerkmale für Beschäftigte der IT

Im Bereich des TV-L gelten für Beschäftigte der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ab dem 1.1.2021 neue Tarifmerkmale, die eine Reihe von Verbesserungen für die tarifliche Eingruppierung erwarten lassen.

Neben der Manifestation des Eingangsniveaus für den vergleichbaren gehobenen Dienst auf die Entgeltgruppe 10 und der Besserstellung bestimmter Tätigkeiten (z.B. „Leiter von IT-Gruppen“), wird ab dem kommenden Jahr auch die Eingruppierung ohne IT-spezifischen Berufs- oder Hochschulabschluss erleichtert, da die neuen Tarifmerkmale eine Eingruppierung mit und ohne Ausbildungsbezug ermöglichen (z.B. EG 10 FG 1: „abgeschlossene Hochschulbildung und entsprechende Tätigkeit“ und FG 2: „umfassende Fachkenntnisse und großer Gestaltungsspielraum“). Dies ist auch eine Konsequenz daraus, dass im IT-Bereich vermehrt Beschäftigte anzutreffen sind, die sich autodidaktisch Kenntnisse angeeignet haben und so auch ohne einen Studienabschluss hochspezialisierte Tätigkeiten ausüben.

Da eine Vorbildung oder Ausbildung (subjektive Voraussetzungen) der Person damit nicht mehr als Eingruppierungsanforderung zwingend erforderlich ist, wird es zukünftig auch Quereinsteiger*innen mit entsprechendem Fachwissen möglich sein, Stellen des gehobenen Dienstes zu besetzen, sofern die objektiven Anforderungen der auszuübenden Tätigkeit eine entsprechende Stellenbewertung (also EG 10 oder mehr) zulassen.

Ein weiterer Vorteil der neuen Tarifmerkmale ist die Erweiterung des Anwendungsbereichs, d.h. der Frage, wann die günstigeren Tarifmerkmale der IKT tatsächlich für die Stellenbewertung und die Eingruppierung heranzuziehen sind. Nach neuer Rechtslage reicht es aus, dass sich Beschäftigte „mit Systemen der Informationstechnik befassen“ (ohne Rücksicht auf ihre organisatorische Eingliederung). Abzugrenzen ist demnach, ob IKT-Systeme für die Erledigung von Fachaufgaben lediglich angewendet werden (dann besteht weiterhin kein IT-Bezug) oder ob „Tätigkeiten im Lebenszyklus eines IKT-Systems“ vorliegen (z.B.  Planung, Entwurf, Design, Erstellung, Implementierung, Test, Optimierung, Pflege, Fehlerbeseitigung, Qualitätssicherung von informationstechnischen Hard- und Softwaresystemen, Anwendungsprogrammen, Datenbanken, usw.).

Konkret könnte dies zum Beispiel eine Verbesserung für Beschäftigte bedeuten, die die fachliche Betreuung von Anwendungsverfahren als Fachanwendungsbetreuer*innen betreuen (sog, „IT-Koordinatoren“ oder „Key-User“), sofern die auszuübenden Tätigkeiten einen IT-Zuschnitt haben.

Ob dies der Fall ist, kann an Hand folgender Prüfungstrias festgestellt werden:

  • Zunächst ist das Gepräge bzw. der Schwerpunkt der auszuübenden Tätigkeit festzustellen. Als Hilfskriterium können die entsprechend einschlägigen IT-spezifischen Berufsbilder herangezogen werden und ob die in der Ausbildung vermittelten Inhalte für die auszuübende Tätigkeit erforderlich sind.
  • Führt dieser Prüfungsschritt zu keinem Ergebnis, muss an Hand der überwiegend erforderlichen Fachkenntnisse überprüft werden, ob es sich um eine IT-spezifische oder um eine nicht IT-spezifische Tätigkeit handelt.
  • Ist auch weiterhin kein Überwiegen der einen oder anderen Fachrichtung festzustellen, sollte auf der letzten Ebene geprüft werden, ob ein quantitatives Überwiegen von IT-spezifischen Tätigkeiten oder von nicht IT-spezifischen Tätigkeiten gegeben ist.

Für Fachanwendungsbetreuer*innen wird man jedenfalls dann einen IT-Zuschnitt bejahen können, wenn zentrale IT-Aufgaben wahrzunehmen sind. Sofern allerdings die Fachkenntnisse der jeweiligen Fachaufgabe im Vordergrund stehen (z.B. buchhalterische Kenntnisse, bankspezifische Kenntnisse, naturwissenschaftliche Kenntnisse), besteht auch weiterhin kein IT-Bezug.

Trankner 2018 WEB

Verfasser, PIW-Trainer und Stellenbewerter:
Assessor Felix Tränkner

Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Artikel gelegentlich nur die männliche oder weibliche Form verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter (m/w/d).

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