Online-Vorstellungsgespräche – Notlösung oder echte Chance für den ÖD?

Online-Auswahlverfahren sind mittlerweile in öffentlichen Organisationen pandemiebedingt kaum mehr wegzudenken. Trotzdem sind viele Personaler und Führungskräfte unzufrieden mit diesem Format und auch unsicher, ob man in virtuellen Vorstellungsgesprächen genug über die Persönlichkeit von Bewerbenden erfährt. Mit der Aussicht auf Lockerung der Corona-Regeln wächst der Wunsch, Auswahlverfahren endlich wieder in Präsenzverfahren durchführen zu können. Fast vergessen scheinen Aufwand und zeitlicher Vorlauf gut vorbereiteter Auswahlgespräche im eigenen Haus – Terminfindung aller Beteiligten, Einladung und Anreise der Bewerbenden oder externer Kommissionsmitglieder, Raumprobleme, Bewirtungs- und Reisekosten etc.

Ein wesentlicher Grund, warum der öffentliche Dienst bei der Personalgewinnung von Arbeitgebern aus der Privatwirtschaft abgehängt wird, liegt nicht etwa in den unflexiblen Gehaltsstrukturen des ÖD, sondern in der Dauer der Stellenbesetzungsverfahren. Ziehen sich Prozess und Entscheidung über mehrere Wochen, manchmal Monate, hin, sind gute Bewerbende längst wieder abgeworben. Social-Media-Verlinkungen zwischen den großen Stellenportalen sorgen dafür, dass Bewerbende immer wieder neue Angebote bekommen und das Phänomen „Job Ghosting“ (Bewerber:innen tauchen plötzlich ab und reagieren nicht mehr auf Mails oder kommen nicht zu Terminen etc.) ist weit verbreitet.

Deshalb gilt: Sind Bewerbende geeignet und haben echtes Interesse an einer Stelle, zählt Tempo!

Hier liegen die öffentlichen Häuser vorne, die in den letzten Jahren professionelle E-Recruiting-Portale eingeführt haben und schnell auf Bewerbungen reagieren. Ideal ist, wenn in der Stellenanzeige bereits der Termin für die geplanten Vorstellungsgespräche steht und geeignete Kandidaten via Online-Vorstellungsgespräche zeitnah und ohne Aufwand einen Termin erhalten. Die weiteren Schritte und ein zweiter Präsenztermin vor Ort im Haus ergeben sich dann aus der Bewerberlage (Anzahl, Eignung etc.).

Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass mehrstufige strukturierte Auswahlverfahren in unterschiedlichen Formaten (online, hybrid, präsent) und unter den besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen, die für die Besetzung öffentlicher Stellen gilt, rechtssicher und sehr erfolgreich durchgeführt werden können.

Entscheidend sind ein professionelles Employer Branding (Attraktivität des Arbeitsgebers) und die Candidate Experience von Bewerbenden (welche Erfahrung sammeln Bewerber:innen im Bewerbungsprozess).

Umso mehr lohnt es sich, Online-Vorstellungsgespräche attraktiv und modern zu gestalten. Aber wie macht man das? 

Hier die „TOP 4“:

  • Technik & Equipment (Kamera, Ton & Licht)

    sk 3   versus  sk 2

  • Professioneller Auftritt des Hauses und der Führungskräfte im virtuellen Raum

    sk 1

  • Methodenvielfalt im Interview ("Mini-AC")
  • Offene Kultur, Transparenz und Wertschätzung

Stimmen technisches Equipment, Rahmenbedingungen und Methodik, zeigen sich Bewerbende auch im virtuellen Raum von all ihren Seiten und mit all ihrer Persönlichkeit.

Deshalb haben Online-Vorstellungsgespräche eine entscheidende Schlüsselrolle, damit öffentliche Organisationen bei der Personalgewinnung wieder wettbewerbsfähiger werden. Sie sind für beide Seiten eine große und unkomplizierte Chance für den Erstkontakt. Läuft dieser Erstkontakt positiv und wertschätzend, entsteht eine erste Bindung und Bewerbenden bleiben am Ball.

Foss 2019 4c rund

Dr. Susanne Kress 
Geschäftsführerin PIW
Personalberaterin & Organisationsentwicklerin

 

 

Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Artikel gelegentlich nur die männliche oder weibliche Form verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter (m/w/d).

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